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Wenn der Winter zu lang wird

Wenn der Winter nach Sonne verlangt

Prolog – Wenn der Winter zu lang wird

Bevor der Winter überhaupt beginnt, weiß das Herz manchmal schon, wohin es möchte. Unsere Winterflucht nach Kalifornien zum Beispiel – sie ist Reinholds stilles Meisterwerk. Noch bevor wir im Herbst nach Indien aufbrachen, stand in seinem Blick bereits eine Wahrheit geschrieben: Nach der Rückkehr würde Schleswig-Holstein uns die ganze Palette des norddeutschen Winters präsentieren. Grau in allen Nuancen, Regen, der quer fällt, und Tage, an denen selbst die Heizung seufzt.

Ich dagegen – praktisch veranlagt, ein wenig vernünftig, ein Hauch sentimental – dachte zuerst an das Offensichtliche: Ob Lena nicht vielleicht auch einmal ein Jahr ohne ihre Eltern im Anflugmodus leben möchte.

Doch Reinhold schüttelte nur den Kopf und sagte den Satz, der mich zuverlässig entwaffnet: „Aber es gefällt dir doch immer so in La Quinta.“ Stille. Treffsicher.

Dann sein zweiter Treffer: „Und das letzte Hemd hat keine Taschen.“

Damit war die Vernunft besiegt. Wir buchten. Natürlich.

Und als ich Lena anrief, ihr erzählte, dass wir schon wieder kommen, und sie sagte: „Toll, jetzt geht es mir gleich besser!“ da wussten wir: Wir hatten alles richtig gemacht.

Ein Klick, ein Lachen – und schon hält das Bild fest, wie vertraut sich ein Moment anfühlen kann, wenn niemand damit rechnet.


Zwischen Wüste, Wärme und einem Hauch von Heimat

Ganz sicher wird am Flughafen wieder dieses vertraute Lächeln auf uns warten – eine stille Geste, die jedes Mal ein wenig wie Ankommen im eigenen Leben wirkt.

Dann ein paar Nächte in Los Angeles bei Andrew, dort, wo wir inzwischen beinahe eine Zahnbürste hinterlegen könnten, so sehr gehört dieser Ort zu unseren Wegen. Ein kleines Heimkommen, ein leises Aufatmen, bevor die Wüste ruft.

Manchmal braucht Ankommen nichts weiter als Licht, Schatten und Menschen, die einen kennen. Ein Ort, an dem die Seele sofort die Schuhe auszieht – und das Herz weiß: Hier bin ich richtig.

 

Danach weiter nach La Quinta. Unsere vertraute Wohnanlage, die wir inzwischen nicht mehr nur „kennen“, sondern „wiedererkennen“: das gepflegte Ambiente, das ruhige Licht, der Pool, der selbst im Januar warm ist wie eine Umarmung, und ein Fitnessraum, der uns jedes Jahr höflich fragt, ob wir ihn diesmal vielleicht ein wenig häufiger besuchen.

Ein Ort, an dem die Tage weicher werden. Und natürlich: Frühstück im Shields Date Garden – dort, wo die Zeit ein wenig langsamer geht und die Datteln nach Sonne schmecken.

Vielleicht – wenn alles gut läuft – kommen Tanja und Sam im Januar aus Maine, für ein Wiedersehen unter Palmen.

Palmen, leises Morgenlicht und ein Pool, der wie ein Versprechen glänzt – hier beginnt die Wärme im Kopf, lange bevor sie die Haut erreicht.


Wenn die Reise sich weiter öffnet

Nach einigen Wochen in La Quinta – Wärme im Rücken, Palmenschatten im Blick und jenen kleinen Gewohnheiten, die sich still einschleichen – wird es Zeit für neue Farben. Für Landschaften, die anders klingen. Und vielleicht, ganz nebenbei, ruft sogar San Diego einmal kurz: „Kommt ihr vorbei?“

Auf jeden Fall werden wir Kalifornien irgendwann hinter uns lassen und den Blick nach Osten, Richtung Arizona, richten. Sedona ist längst Teil unserer Pläne.

Für ein paar Nächte haben wir dort ein Airbnb ins Auge gefasst, hoch über einem Tal, in dem das Licht anders fallen wird. Die roten Felsen werden wirken, als führten sie ein stilles Gespräch mit der Erde – ein gedämpftes Rot, das weich wird, sobald die Sonne sinkt.

Vielleicht möchten wir uns noch einmal von diesen Vortexes – oder nennen wir sie lieber Energiepunkte – berühren lassen. Nicht, weil wir es müssten, sondern weil etwas in uns sich an dieses eigenartige, warme Aufatmen erinnert.

Die genaue Route steht noch nicht fest – noch nicht. Doch vielleicht liegt gerade darin der eigentliche Zauber: nicht zu wissen, welche Kurve sich öffnen wird – nur zu ahnen, dass das Licht dort anders sein wird.

Vielleicht ist es das Spiel aus Kurven und Licht, das uns weiterzieht – als wüsste die Landschaft mehr über uns als wir selbst.


Epilog – Ein Winter mit Licht

Vielleicht ist das das Schönste an unseren Reisen: dass sie uns daran erinnern, wie viel möglich bleibt – auch jenseits der grauen Monate, auch jenseits der Pläne, die uns an der Hand nehmen.

Wir reisen nicht fort. Wir reisen hin. Zu Wärme, zu Neuem, zu uns selbst. Und manchmal genügt tatsächlich ein kleiner Satz, um große Türen zu öffnen: „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Aber vielleicht hat es Platz für etwas anderes – für Licht?


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Reisebloggerin 70+, digital & stilvoll – Edith mit iPad und Champagner in der Lounge

Über Edith: Sie ist 70+ und neugieriger denn je. Auf ihrem Blog
wanderlust-knows-no-age.com
schreibt sie über Reisen, Erinnerungen und das Leben dazwischen – poetisch, ehrlich und immer mit einem Augenzwinkern.
An ihrer Seite: Reinhold, unermüdlicher Navigator, ungeduldiger Ruhepol und heimlicher Hüter der Picknicktasche.

 

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