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Reinhold und die Dinge, die theoretisch funktionieren müssten

Reinhold und die Dinge, die theoretisch funktionieren müssten

Wenn es um Autos geht, macht Reinhold niemand so schnell etwas vor.

Fragt man ihn nach einem Motor, einem Modell oder einer Automarke, bekommt man nicht nur eine Antwort, sondern oft die gesamte Familiengeschichte des Fahrzeugs gleich dazu.

Bei Flugzeugen ist es ähnlich.

Und wenn wir verreisen, würde ich jederzeit darauf wetten, dass Reinhold uns auch ohne Internet, Navi und Handy irgendwie ans Ziel bringt.

Wahrscheinlich sogar über eine schönere Strecke.

Seit vielen Jahren plant er unsere Reisen, erstellt Routen, findet Abkürzungen und entdeckt Orte, die wir ohne ihn nie gesehen hätten.

Kurz gesagt:

Reinhold ist ein Mann, der Orientierung besitzt.

Jedenfalls meistens.

Denn dann gibt es diese anderen Momente.

Die Momente, in denen moderne Technik beschließt, eigene Wege zu gehen.

Oder Reinhold.

Manchmal ist der Unterschied erstaunlich schwer festzustellen.


Die Sache mit dem Navi

Fahrt zum Arzt.

Ohne Navi.

Reinhold kennt den Weg.

Zumindest behauptet er das.

Ich erklimme gerade den Mount Everest auf meinem Crosstrainer zu Hause, als das Telefon klingelt.

„Kannst du mir mal sagen, wo ich bin?“

Nein, gesäuselt hat er das nicht.

„Geht das Navi nicht?“, frage ich.

Eine berechtigte Frage. Schließlich sitzt er in einem BMW, der vermutlich mehr Rechenleistung besitzt als die Mondlandefähre.

„Nein. Das blöde System will plötzlich meine BMW-ID haben. Ich soll anhalten und sie eingeben.“

Bis vor ein paar Tagen funktionierte alles problemlos.

Ich öffne auf dem iPad die Karte, suche seinen ungefähren Standort heraus und beginne mit einer telefonischen Ferndiagnose.

„Du bist noch ungefähr zehn Kilometer vom Ziel entfernt.“

„Ja, aber hier geht es nach Bordesholm!“

„Dann fährst du eben nicht nach Bordesholm. Lass Bordesholm links liegen. Danach müsste Flintbek ausgeschildert sein.“

Kurze Pause.

„Okay.“

Aufgelegt.

Wenige Minuten später frage ich mich plötzlich:

Warum hat er eigentlich nicht einfach auf seinem iPhone Google Maps geöffnet?

Genau das frage ich ihn später.

Seine Antwort kommt ohne jede Verteidigung:

„Wo du recht hast.“

Kurze Pause.

Dann:

„Ich habe gedacht, dass meine persönliche Assistentin das schneller macht.“

Und schließlich:

„Bin angekommen. War mehr oder weniger Zufall.“

Bevor jetzt jemand denkt, das Navi hätte diesen Kampf gewonnen:

Zu Hause setzte sich Reinhold mit dem Handbuch an den Schreibtisch, fand die Lösung und brachte das System innerhalb weniger Minuten wieder zur Vernunft.

Das Navi funktioniert seitdem tadellos.

Die Frage „Kannst du mir mal sagen, wo ich bin?“ bleibt allerdings unvergessen.


Die Sache mit dem Drucker

Vor einigen Tagen produzierte unser Drucker Ausdrucke, die aussahen, als hätte er beschlossen, seine künstlerische Phase auszuleben.

Für mich war die Sache klar:

Der Drucker hatte ein Problem.

Für Reinhold war die Sache ebenfalls klar:

Der Drucker konnte kein Problem haben.

Schließlich waren gerade erst neue Patronen eingesetzt worden.

Die Logik war für ihn wasserdicht.

Neue Patronen.

Also kein Druckerproblem.

Mehrere Reinigungsprogramme später stellte sich heraus:

Der Drucker war schuld.

Der Drucker wusste das.

Ich wusste das.

Der Drucker wusste vermutlich sogar, dass ich das wusste.

Nur Reinhold war noch nicht vollständig überzeugt.

Reinhold in unserem Ferienhaus in La Quinta. Reisen planen kann er. Wirklich.


Mein Fazit

Reinhold besitzt Google Maps.

Er besitzt ein Navi.

Er besitzt ein Smartphone.

Und trotzdem zeichnet er manchmal lieber seine eigenen Karten.

Wahrscheinlich erklärt das mehr über ihn als alles andere.

Und ganz ehrlich?

Ich würde es inzwischen vermissen, wenn es anders wäre.

Für alle, die jetzt glauben, ich übertreibe: Das hier ist eine von Reinholds handgezeichneten Navigationskarten.

 

Mehr Gedanken aus der Reihe „Das Leben dazwischen“ findest du hier



Reisebloggerin 70+, digital & stilvoll – Edith mit iPad und Champagner in der Lounge

Über Edith: Mit Neugier, Ehrlichkeit und einer Prise Humor schreibt sie über Reisen, Familie, Erinnerungen und die kleinen Momente, aus denen oft die schönsten Geschichten entstehen.

Auf wanderlust-knows-no-age.com teilt sie ihre Sicht auf die Welt – persönlich, ehrlich und mit einem Augenzwinkern.

An ihrer Seite: Reinhold, unermüdlicher Navigator, gelegentliche Stimme der Vernunft und treuer Begleiter auf nahen und fernen Wegen. Gemeinsam haben sie gelernt, dass die schönsten Reisen nicht in Kilometern gemessen werden, sondern in Erinnerungen.

Auf Instagram teilt Edith außerdem kleine Reiseeindrücke und Momente aus dem Leben dazwischen: @edivo2017.

 

 

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