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Island. Kälte, Weite, Wunder

Island – Kälte, Weite, Wunder. Und wir mittendrin

 

Ein persönlicher Reisebericht über eine Insel, die sich nicht sofort zeigt – aber lange bleibt.


Kälte statt Kirschblüten – und Reinholds langer Traum

Island stand schon lange auf Reinholds Wunschliste. Und so lag auch die komplette Planung in seiner Hand. Ich? War eher vorsichtig. Skeptisch.

Island? Ausgerechnet Island? Während es zu Hause endlich Frühling wird, packe ich Mütze, Handschuhe und eine gehörige Portion Zweifel ein.

 

„Es brauchte einiges an Überredungskunst – und einen hartnäckigen Reinhold.“

Reykjavík und die Frage aller Fragen

Der Himmel ist grau, der Nieselregen fein und hartnäckig. Und als wir im Leihwagen sitzen, frage ich mich zum ersten Mal: Was machen wir hier eigentlich?
Island begrüßt nicht – es prüft. Kalt. Stumm. Und doch irgendwie mit Charakter.

 

Island – Kälte, Weite, Wunder. Und wir mittendrin.

Vík, Wasserfälle und die ersten Wunder

Je weiter wir fahren, desto stiller werden die Zweifel. Island zeigt sich langsam – aber wenn es sich zeigt, dann richtig.
Unser Cottage in Vík liegt zwischen grünen Hügeln und schwarzen Stränden. Weit. Offen. Leer. Und wunderschön in seiner Kargheit.

 

„Plötzlich sind wir mittendrin – zwischen schwarzen Stränden und grünen Hügeln.“

 

Cottage zwischen Hügeln und grauem Himmel.

Lobster, Vogeleier und ein Pass, der keiner sein sollte

Höfn überrascht uns mit Sonne – silbernes Licht über Gletscher und Hafen. Am Abend sitzen wir am Wasser und essen Lobster – frisch, zart, fast schon selbstverständlich hier.
Man sagt, in Höfn gäbe es den besten Lobster Islands. Wir widersprechen nicht.

Höfn schmeckt nach Meer, nach Feuer – und ein bisschen nach Feier.“

Und dann feiern wir Geburtstag. Reinholds Geburtstag. Ein kleines Licht. Ein stiller Moment. Und ganz viel Dankbarkeit.

 

„Manchmal reicht ein Guglhupf, um sich überall auf der Welt zu Hause zu fühlen.“

 

Happy Birthday!

Im Supermarkt: Vogeleier im Kühlregal. Svartfuglsegg & Fýlsegg. Noch nie gesehen. Noch nie drüber nachgedacht.
Island überrascht selbst beim Einkaufen – und lässt dich kurz darauf in einem Schneesturm deine eigenen Grenzen spüren.

 

 


Wir wollten über den Pass. Doch auf dem Supermarktparkplatz sagt ein Backpacker: „Schneesturm. Alles gesperrt.“


Wir verlängern. Zwei Tage. Und versuchen, das Beste daraus zu machen. In einer kleinen Pizzeria trösten wir uns mit überraschend leckeren Rentier-Burgern – warm, würzig, unerwartet gut.
Manchmal braucht es eben nur einen Teller voller Trost, um weiterzufahren.

Dann wagen wir es.

Anfangs scheint alles gut. Die Straße ist frei, das Wetter hält sich zurück. Aber Island hat nur kurz gezögert. Dann kommt der Sturm – heftig, laut, blindmachend.

Schnee treibt waagerecht über die Straße. Unser Mietwagen hat Sommerreifen. Und wir haben plötzlich sehr viel Respekt.

Der Moment, in dem Island nicht mehr spielt.

Windstille im Kopf – endlich durchatmen

Nach dem Sturm kommt die Stille. In Akureyri sind wir einfach nur dankbar, heil angekommen zu sein.

Der Himmel ist grau, der Wind weht weiter – aber irgendetwas hat sich verändert.

Wir lassen uns treiben, trinken ein Gläschen in der Villa Lola, lesen, schauen.

 

„Der Wind ist nie ganz weg. Aber jetzt stört er uns nicht mehr.“

Snæfellsnes bleibt ein Versprechen

Manchmal streicht Island dir etwas aus dem Plan – und schenkt dir stattdessen Erkenntnis.
Snæfellsnes bleibt uns verborgen. Der Sturm war stärker, hat unseren Zeitplan verschoben. Und das war okay.

„Man sieht nie alles. Und das ist vielleicht genau richtig so.“

Gletscherlagune Jökulsárlón

Eisberge treiben gemächlich dahin – wie schwimmende Skulpturen in Blau und Weiß. Die Brücke wacht still darüber. Und wir? Wir staunen einfach nur.

 

Wasserfälle. Viele. Sehr viele

In Island stolpert man gefühlt hinter jeder Kurve über den nächsten. Mal tosend, mal tänzelnd – aber nie langweilig.

Und irgendwann hört man einfach auf zu zählen. Weil man anfängt zu staunen.

 

Der Golden Circle – bekannt, aber eindrucksvoll

Þingvellir – karg, still, von Geschichte durchdrungen.

Haukadalur – brodelnd, unruhig, als würde die Erde atmen.

Strokkur – verlässlich wie ein Takt, unberechenbar im Moment.

Gullfoss – laut, kalt, überwältigend. Ein Wasserfall, der bleibt. Nicht, weil er der größte ist. Sondern weil man ihn sieht – mit anderen Augen.

Fun Fact: Wer mailt hier eigentlich?

In Island ticken die Uhren anders – und manchmal auch die Tastaturen.

Der isländische Tourismusverband hatte vor einer Weile eine herrlich schräge Idee: Statt sich im Urlaub mit E-Mails zu stressen, sollte man sie lieber einem Islandpferd überlassen.
Ja, wirklich.
Das Projekt hieß „OutHorse Your Email“. Man trug einfach Name und Abwesenheitsdaten ein – und überließ alles Weitere einem Islandpferd mit klingendem Namen wie Hrimnir frá Hvammi.
Der Schimmel trabte dann über eine riesige Tastatur – und verschickte automatische Antworten in Form von Hufgetrappel:

„aijo-ifhjawur nadfHDUO ashfOl. ??wge.&€“

Was da rauskam, war vielleicht nicht besonders hilfreich – aber ehrlich: Von so mancher Nachricht aus der Finanzabteilung kaum zu unterscheiden.

Und genau das lieben wir an Island: Diese Mischung aus Natur, Humor und einem leisen „Lass doch einfach mal los.“

Vestrahorn – Islands dramatischer Rücken

Schroff, still und vollkommen surreal.

Schwarzsand trifft auf Gestein. Und plötzlich wirkt die Welt wie eine Kulisse – nur dass sie echt ist.

 

Reykjavík – ein Tag zum Treibenlassen

Bevor es zurückgeht, lassen wir uns noch einmal durch die Stadt treiben. Frühstück in einem dieser gemütlichen Cafés, in denen der Kaffee stark ist und das Brot nach Butter duftet.

Ein Bummel durch kleine Läden, Buchhandlungen, Galerien – nichts Dringendes, einfach schauen, sein.

Am Abend essen wir isländisch: Fisch, Lamm, Wurzelgemüse – alles schlicht und gut.

Reykjavík ist leise urban, nordisch zurückhaltend. Kein großes Finale. Aber genau das passt.

Ein Tag in der Stadt. Dann: noch einmal eintauchen, bevor wir gehen.

Sólfar – Sonnenfahrt. Kein Wikingerschiff. Aber ein Denkmal fürs Träumen.

Ein letztes Bad- ein leiser Abschied

Die Lagune von Kjósarhreppur. Warm. Dampfend. Ruhig. Fast ein Abschiedsritual. Fast Versöhnung. Ganz Island.

Letzter Blick, großes Kino

Island verabschiedet sich mit einem Sonnenuntergang über den Wolken – dramatisch, schön, ein bisschen unwirklich. Ein Bild fürs Herz.

 

Diese Reise war kein Urlaub – sie war echt

Wir kamen mit einer Route. Und fuhren mit Respekt, Staunen – und einem neuen Blick aufs Wetter.

„Diese Reise war kein Urlaub. Sie war ein Erlebnis. Eine Grenzerfahrung. Eine Begegnung mit der Kraft der Natur – und ein bisschen auch mit uns selbst.“

Und ja – wir würden sofort wieder hin. Vielleicht gerade dann, wenn das Wetter am schlechtesten ist.

 

 

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