„Fast ein jeder, der das erste Mal Wien erlebt, ist hingerissen und kann sich dem Charme dieser Stadt kaum entziehen.“
– aus Und Wien leuchtete von Henny Arlan
Was damals gesagt wurde, gilt bis heute. Wien ist mehr als eine Stadt. Sie ist Haltung, Klang, Erinnerung – und jedes Mal ein neues Gefühl. Kein Wunder, dass wir seit drei Jahrzehnten immer wieder hierher zurückkehren.
Wien ist mehr als eine Reise wert. Es ist ein Gefühl, ein Klang, eine Haltung. Zwischen Kaffeehaus, Prunksaal und Fiakerfahrt erzählt die Stadt ihre Geschichten – leise, charmant und mit einem Hauch Melancholie.
In diesem Bericht nehmen wir dich mit zu persönlichen Momenten, eleganten Bällen, duftenden Buchteln und einem stillen Spaziergang über den Zentralfriedhof.
Wien bleibt – und vielleicht ein Stück davon bei dir.
Zum Reisebericht: Persönliche Eindrücke, Erinnerungen an Mizzi, Streifzüge durch Kaffeehäuser, Spaziergänge am Zentralfriedhof – und ein nächtlicher Fehlalarm im Hotel Imperial inklusive.

Von Mizzi, Erinnerungen und dem ersten Mal Wien
Meine Großmutter Mizzi hat viele Jahre hier gelebt – als junge Frau war sie hier „in Stellung“, wie sie es nannte. Ob sie wirklich Wienerin war oder es nur sein wollte, bleibt ihr kleines Geheimnis. Aber wenn sie von „Wean“ sprach, lag ein Schimmer in ihrem Blick – eine Mischung aus Wärme, Zuneigung und einer feinen Prise Sehnsucht.

Mit ihren Geschichten und ihrem Dialekt bin ich aufgewachsen, wie mit einer fernen Melodie, die längst Teil meines Alltags war. So wusste ich früh, was ein echtes Zuckergoscherl ist – und dass man besser nicht am Watschnbaum rüttelt, wenn man seine Ruh’ haben will.
Wien war immer da – ein Sehnsuchtsort, der trotzdem vertraut klang. Und doch vergingen Jahrzehnte, bis sich unsere Wege wirklich kreuzten. Ganz ohne Tamtam, aber mit einem stillen Lächeln. Als würden wir uns längst kennen.
Seitdem kehren wir immer wieder zurück. Wir streifen durch die Stadt – ziellos, offen, wie es sich für Wien gehört. Und manchmal sind es genau diese leisen Dinge, die bleiben: ein Innenhof im Abendlicht, das Nachhallen einer Geige aus einem offenen Fenster, ein Gespräch mit einer Kellnerin, das mehr sagt als jeder Reiseführer.
Glanz & Taktgefühl – Mitten in der Ballsaison
Und doch hat Wien auch seine großen Auftritte – mit Takt, Tradition und dem gewissen Glanz. Besonders während der Ballsaison, wenn es vom 11.11. bis Faschingsdienstag heißt: Alles Walzer. Rund 450 Bälle zählt die Stadt in dieser Zeit – von A wie Akademikerball bis
Z wie Zuckerbäckerball.
Und wir? Wir sind mittendrin.

Jedes Jahr erhalten wir eine stilvoll-wienerische Einladung zum Ball der Offiziere – und der Auftritt in der Hofburg zählt zu unseren ganz persönlichen Höhepunkten. Eine Nacht voller Musik, Etikette und zeitloser Wiener Eleganz.
Der Dresscode ist streng: White Tie. Frack, Fliege, bodenlanges Ballkleid. Und doch ist es nicht steif, sondern voller Leichtigkeit – zumindest nach dem ersten Glas Champagner und einem schnellen Würstel zwischendurch. Wenn wir am frühen Morgen zurück ins Hotel schlendern, scheint die Stadt für einen Moment nur uns zu gehören.

Wiener Kaffeehäuser – Gesellschaft zum Alleinsein
„Im Kaffeehaus sitzen Leute, die alleine sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“
– Alfred Polgar
Wien ohne Kaffeehaus? Undenkbar. Für uns ist es längst mehr als ein Zwischenstopp. Es ist ein Ort zum Ankommen, Innehalten, Durchatmen.
Hier darf man sein, wie man ist. Lesen. Schreiben. Schweigen. Niemand stört. Niemand fragt, ob man noch etwas möchte. Wer es eilig hat oder „to go“ bestellt, ist hier sowieso falsch – und wird den Zauber kaum spüren.
Das Kaffeehaus ist Wohnzimmer, Bühne, Rückzugsort. Größen wie Altenberg, Polgar, Schnitzler oder Klimt waren Stammgäste. Peter Altenberg ließ sich seine Post ins Café Central schicken – und wer dort je saß, versteht sofort, warum.

Das Café Hawelka – voller Patina, voller Geschichten – und abends mit dem Duft frischer Buchteln, gebacken nach dem Rezept von Josefine Hawelka. Was gibt es Schöneres?

„I wär ned der Hawelka
ohne mei Frau …“– Leopold Hawelka
Und wer in Wien „einen Kaffee“ bestellt, hat schon verloren. Dann heißt es in der Küche nur: „Ein Lauf.“ Irgendeine Mischung – ohne Anspruch, ohne Stil.
Wer sich aber auf die Vielfalt einlässt – Einspänner, Verlängerter, Melange – der versteht: Kaffee ist hier keine Frage des Dursts, sondern der Haltung.
Auf dem Zentralfriedhof – Ruhige Wege voller Leben
„Der Tod muss ein Wiener sein.“ – Georg Kreisler
Wien und der Tod – eine besondere Beziehung, geprägt von schwarzem Humor und seltsamer Gelassenheit. Der Zentralfriedhof ist mehr als eine letzte Ruhestätte. Er ist ein Park der Geschichten. Fast zweieinhalb Quadratkilometer groß. Drei Millionen Menschen. Und doch: still. Friedlich.

Hier ruhen Mozart (symbolisch), Beethoven, Brahms, Falco, Udo Jürgens – und unzählige andere. Zwischen alten Grabsteinen und Vogelgezwitscher spazieren wir, sitzen auf steinernen Bänken, hören dem Wind zu. Und spüren: Hier ist nicht nur Vergangenheit. Hier lebt etwas.
Typisch Wien – unsere ganz persönlichen Momente
Einmal Fiaker – ja, wir haben’s getan. Zum Entsetzen unserer Wiener Freunde. Für sie ein No-go. Für uns: eine charmante Erinnerung mit leichtem Kitschfaktor.

Ein Heuriger in Grinzing, mit Schrammelmusik und knirschendem Kies unter den Füßen. Zeit, die sich dehnt.
Kunst im Mumok, in der Albertina, in der Heidi Horten Collection – modern, leicht, ganz Wien.

Ein Winterspaziergang mit heißem Punsch, Griebenschmalzbrot und Weihnachtslicht.
Und der Prunksaal der Nationalbibliothek – ein Palast aus Büchern, der den Atem raubt.

Kulinarik – zwischen Beisl und Ballsaal
Tafelspitz bei Plachutta. Wiener Schnitzel im Landtmann. Apfelstrudel im Café Central. Alles Klassiker.
Aber: Wien schmeckt nicht nur auf dem Teller, sondern auch in der Zeit, die man sich nimmt. In Gesprächen. Im Bleiben.

Besonders lieben wir die Beisln – einfache Gasthäuser, holzgetäfelt, ehrlich. Mit Gulasch, Erdäpfel-Vogerl-Salat und einem Kellner, der duzt und doch herzlich ist. Ein Beisl ist wie ein Blick hinter die Kulisse – ein Abend lang kein Gast, sondern Teil des Ganzen.
Hotelgeschichten – mit nächtlicher Pointe
Beim letzten Mal wohnten wir im Grand Hotel Wien – gediegen, samtig, stilvoll. Bis in zwei Nächten hintereinander der Alarm losging. Zweimal: Sirene, Lautsprecher-Ansage, Evakuierung.
Wiener Gelassenheit? Kurz suspendiert.

Für unsere letzte Nacht – es war unser 30. Hochzeitstag – zogen wir ins Hotel Imperial. Ruhe, Stil, Champagner. So, wie wir’s uns vorgestellt hatten.
Wien bleibt
„Wien bleibt Wien – und das ist wohl das Schlimmste, was man über diese Stadt sagen kann.“
– Alfred Polgar“
Diese Stadt rauscht nicht vorbei – sie bleibt. In Gesprächen. In Momenten. In uns.

Bei jedem Besuch wächst unsere eigene Wien-Geschichte ein Stück weiter. Und manchmal, ganz leise, glaube ich, dass Mizzi dabei ist.
Wien – im Vorübergehen eingefangen







Wiederschaun – Baba!