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Côte d’Azur mit Kind und Kunst

Côte d’Azur mit Kind und Kunst – Arya führt Regie …

Wenn eine Reise gleichzeitig Bühne, Abenteuer und Familienzeit ist, entstehen besondere Momente. Während Arya die Gassen von Nizza mit kindlicher Entdeckungslust erobert, sorgen ihre Eltern – Vanessa und Philippe – für die kulturellen Highlights. Der Opernbesuch? Natürlich von ihnen geplant. Genauso wie der heutige Museumsbesuch. Und doch: Wer wirklich Regie führt, zeigt sich unterwegs – zwischen Marktständen, Meeresblick und kleinen Alltagsbühnen.

Früh übt sich, wer das Drehbuch des Alltags umschreiben will.

Marktbesuch in der Altstadt – zwischen Blume und Kürbis

Bevor es heute in die Oper geht, treffen wir uns mit Vanessa, Philippe und Arya zum Frühstück am Markt in der Altstadt von Nizza. Ein bisschen Baguette, ein bisschen Sonne – und dann ein kleiner Bummel, nur zu dritt: Oma, Opa und Arya.

Gleich am ersten Blumenstand bleibt Arya stehen. Steckt ihre kleine Nase tief in die bunten Sträuße – und wünscht sich eine Blume. Reinhold zückt sein Portemonnaie, zählt Münzen. Doch die Marktfrau winkt ab – sie schenkt Arya etwas. Nur leider nicht das, was sie erwartet: einen kleinen Plastikkürbis am Stiel. Ganz stolz, aber etwas ratlos, nimmt Arya das Geschenk entgegen.

Sie schaut ihn prüfend an. Dann kommt das leise, aber entschlossene Urteil:

„Das ist keine Blume. Ich möchte eine Blume.“

Schließlich ziehen wir weiter – mit Kürbis und Blume in der Hand. Ein kleines Marktglück im mediterranen Morgenlicht. Und jetzt: ab in die Oper.

Die Nase im Blütenmeer – wer so sucht, findet mehr als nur eine Blume.

Vivaldi à la Arya

Kleine Menschen. Große Meisterwerke.

Mit Blume und Kürbis in der Hand – große Kunst aus kleiner Perspektive.

Ein bisschen wundern wir uns ja schon, als wir gefragt werden, ob wir am Sonntagvormittag mit in die Oper von Nizza möchten. Es sei ein Kinderprogramm geplant, Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Arya, 4 Jahre alt, und Vivaldi? Mmmh.

Man will sie eben früh an die feinen Künste heranführen – und dagegen ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden.

Was soll ich sagen? Den Frühling erlebt Klein-Arya noch mit glänzenden Augen, ganz Ohr in unserer kleinen Loge. Als der Sommer kam, hing sie dann schon etwas ermattet über der Balustrade. Den Herbst verbrachte sie rennend auf dem Flur mit Opa – sehr temperamentvoll, aber nicht ganz im Takt.

Irgendwo zwischen Herbst und Winter kam Papas ernste Verwarnung: „Bitte setz dich jetzt hin und hör zu. Das ist etwas ganz Besonderes.“

Den Winter verbrachte sie schließlich auf meinem Schoß. Wir schauten gemeinsam Fotos auf dem iPad. Kunst ist ja Ansichtssache.

Aber beim Applaus – da war sie wieder ganz vorne mit dabei. Strahlend, stolz, klatschend.

Wie Arya diesen Sonntagvormittag in Erinnerung behalten wird, weiß ich nicht.

Reinhold und ich jedenfalls fanden ihn höchst unterhaltsam.

Das Karussell auf dem Platz Garibaldi – großes Drama auf kleinem Löwen

Poesie in Bewegung – mit Löwenmut und Tränen.

Es sieht alles so friedlich aus: Ein historisches Karussell dreht sich gemächlich auf dem Place Garibaldi. Arya hat ihre eigene Fahrkarte, zeigt sie stolz vor, bedankt sich artig – und klettert nicht etwa auf eines der niedlichen Häschen, sondern wählt den Löwen. Nur: Da kommt sie allein noch nicht hoch. Gut, dass Opa dabei ist. Reinhold hebt sie elegant in den Sattel.

Doch kaum sitzt sie, ist der Ton plötzlich ein anderer. „Opa! Jetzt geh!“ Der Befehlston ist eindeutig. Das Karussell setzt sich in Bewegung – und Reinhold hat keine Chance mehr, elegant von der Bühne zu verschwinden. Stattdessen dreht er weiter mit. Verzweifelt versucht er, sich hinter einer Giraffe zu verstecken. Doch Arya bleibt unerbittlich: „Geh weg! Ganz weg! Ich bin groß!“

Was folgt, ist ein kleines Theaterstück in mehreren Akten: Erst leise Proteste, dann laute Tränen. Arya möchte bitte allein Karussell fahren – jetzt, sofort, ohne Zuschauer. Ihre Rufe hallen quer über den Platz. Wir beobachten das Ganze von der Bank aus – mit Baby im Arm und einem Lächeln, das wir uns nicht verkneifen können.

Als das Karussell schließlich stoppt, sind die Tränen vergessen. „Opa! Ich muss runter!“  Und schon ist Reinhold wieder gefragt. Held in der Not, Löwenbändiger und Fluchthelfer zugleich.

Grillen mit Drama: Arya vs. Silberfisch

Vanessa und Philippe haben zum Grillen geladen. Ihr Balkon mitten in Nizza ist ein kleines Paradies – blühende Bougainvillea, weiche Polster, ein leise zischender Elektrogrill. Alles ist bereit für einen entspannten Nachmittag.

Südlicher Frieden mit Grill – bis der Silberfisch kommt.

Bis … Arya plötzlich auf den Boden starrt, aufschreit wie in einem Theaterstück der großen Gefühle und beginnt, ihre nackten Füße im Staccato vom Teppich zu heben. Ein Tanz zwischen Panik und Akrobatik. Ich? Hebe natürlich instinktiv mit ab. Maus? Schlange? Feuersbrunst?

Nichts davon. Vanessa bückt sich ganz entspannt, greift nach etwas Unsichtbarem – und wirft es lässig über die Balkonbrüstung.

Ein Silberfischchen. 

Mon Dieu.

Das Essen wird trotzdem köstlich. Nur Arya schaut noch eine Weile misstrauisch auf den Boden, als könnte jederzeit ein weiterer ungebetener Gast hervorkriechen. Sicher ist sicher.

Spiegelbruch und Seelenfrieden

Bevor es am Nachmittag dramatisch wurde (Stichwort: Silberfisch!), gab es schon einen kurzen Schreckmoment. Aryas rosa Handspiegel – ein herzförmiges Willkommensgeschenk von uns, mit Stil und Stiel – segelte beim Spielen vom Tisch. Und zerschellte auf den Fliesen in tausend winzige Stücke.

Ich murmelte halb im Scherz: „Oh je… sieben Jahre Pech!“

Das ließ Arya keine Ruhe. Kurz darauf wandte sie sich an ihre Mama, sichtlich besorgt: „Stimmt das mit dem Pech?“

Vanessa zuckte die Schultern: „Manche glauben das – und manche nicht.“

Arya überlegte kurz, nickte dann ganz entschieden – und ließ das Pech einfach Pech sein:

„Ich glaube das nicht.“

Und das war’s. Sie war wieder im Reinen mit der Welt.

Kindliche Logik, ganz ohne Drama. Easy like that. Pas de problème.

Ein Museumstag mit Chagall – und Arya

Manche Sonntage beginnen ganz harmlos – mit Croissant, Kaffee und dem Gefühl, dass der Tag gemütlich vor sich hinplätschern wird. Bis dann am Nachmittag plötzlich Farbe, Fantasie – und Chagall ins Spiel kommen. Heute ist so ein Sonntag.

Wir machen uns auf den Weg ins Musée National Marc Chagall in Nizza. Aber nicht für einen klassischen Museumsbesuch. Heute ist Familientag – gedacht für Kinder, Eltern, Großeltern. Ein Tag zum Staunen, Schauen und Selbermachen.

Mitten zwischen Himmelsleitern, fliegenden Geigen und leuchtenden Farbträumen soll auch Arya ihre eigenen Bildwelten erschaffen.

Sonntags im Museum: Kunst, Kinder, konzentrierte Eltern – und mittendrin Arya auf der Suche nach der nächsten Himmelsleiter.

Chagall in Blau – oder wie Arya sagt:
„Da ist ein Hahn, der träumt!“ (Oder war’s ein Engel mit Blumen?)

Sie ist vier, erklärter Jesus-Fan – und verfügt über ein bemerkenswert gutes Gedächtnis für Bilddetails. Die großformatigen Bibel-Gemälde, die eine Museumsmitarbeiterin lebhaft erklärt, ziehen sie sofort in ihren Bann. Wir schauen staunend zu – Arya ist aufmerksam, wach, begeistert.

Dann geht es in den Bastelkeller.

Vanessa und Philippe, samt Baby, überlassen uns das kreative Feld. Reinhold und ich übernehmen – etwas zögerlich, aber mutig.

Jedes Kind bekommt ein großes Blatt mit der Umrisszeichnung seines Sternzeichens. In Aryas Fall: der Steinbock.

Vor uns: Behälter mit bunten Schnipseln, Bommeln, Wackelaugen, Filzstückchen – die komplette Bastelpalette eines Kinderkunstlabors.

Ob wir auch ein Blatt möchten, fragt man uns.

Wir lehnen höflich, aber bestimmt ab. Arya zu unterstützen, ist mehr als genug.

Die Aufgabe: ein Mosaik innerhalb des Sternzeichens kleben – möglichst in Chagall-Manier.

Doch Arya hat eigene Pläne. Sie klebt rund um den Steinbock, aber nicht hinein.

Opa erklärt. Geduldig. Immer wieder. Vergeblich.

Wir kapitulieren – und wenden uns an die Workshop-Leiterin.

Und siehe da: Es klappt!

Arya legt los – konzentriert, wild entschlossen, mit jeder Menge Fantasie.

Besonders verliebt ist sie in die kleinen Bommeln, die sie dem Tier großzügig aufklebt. So großzügig, dass es am Ende eher nach Airbag als nach Astrologie aussieht.

Die bunten Kleberänder? „Das ist ein Regenbogen!“, erklärt sie später stolz Mama und Papa.

Kunst oder Katastrophe?
Aryas Steinbock-Interpretation mit Airbag und Regenbogen-Garantie.

Nach dem kreativen Kraftakt: Die Muse ruht – mit Regenbogenblick und Bastelstolz.

 

Ein rundum gelungener Nachmittag – für Arya. Für uns: intensiv, schön, ein klein wenig anstrengend.

Reinhold und ich brauchen jetzt erstmal ein Glas Rosé. Oder zwei

Der nächste Tag: noch einmal Sonne, noch einmal Parc Vigier.

Ein paar letzte gemeinsame Stunden mit der Familie – zwischen Bougainvillea und Boules, bevor das Kofferpacken ruft.

Morgen geht’s zurück nach Hamburg. Heute verabschieden wir uns – von der Côte d’Azur.

Eine Woche voller kleiner und großer Wunder, die sich anfühlte wie drei – und doch viel zu schnell verging.

Abschied nehmen fällt nie leicht. Aber ein Stück Côte d’Azur reist mit uns zurück.

 

Und dann – zum Abschied – tanzte Arya einfach mit.
Zumba im Park. Mit Fremden. Mit Freude. Mitten ins Herz.

 

Mehr Gedanken aus der Reihe „Das Leben dazwischen“ findest du hier.



Reisebloggerin 70+, digital & stilvoll – Edith mit iPad und Champagner in der Lounge

Über Edith: Sie ist 70+ und neugieriger denn je. Auf ihrem Blog
wanderlust-knows-no-age.com
schreibt sie über Reisen, Erinnerungen und das Leben dazwischen – poetisch, ehrlich und immer mit einem Augenzwinkern.
An ihrer Seite: Reinhold, unermüdlicher Navigator, ungeduldiger Ruhepol und heimlicher Hüter der Picknicktasche.
 

 

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