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Südfrankreich mit Hindernissen, Herz und Pan Bagnat

Südfrankreich – mit Hindernissen, Herz und Pan Bagnat


Ein neuer Besuch an der Côte d’Azur

Unsere Ankunft in Nizza beginnt mit einem Paukenschlag – allerdings einem, der uns direkt ausbremst. Weiter als bis vor die Tür des Flughafens kommen wir nämlich nicht. Der Zugang zum Parkplatz ist hermetisch abgeriegelt: ein herrenloses Gepäckstück hat Alarm ausgelöst. Sicherheitsprotokoll. Warten. Und hoffen. Nach einer halben Stunde dann Entwarnung – kein Sprengsatz, nur ein vergessenes Stück Gepäck. Willkommen an der Côte d’Azur!

Erst später dämmert uns, warum rund um den Flughafen so außergewöhnlich viel Polizei unterwegs ist: Wir sind zusammen mit 56 Staats- und Regierungschefs in Nizza gelandet. Was wir erst später begreifen: Heute beginnt die UN-Ozeankonferenz 2025 – und ganz Nizza steht Kopf. Straßensperren, schwer bewaffnete Polizei, jede Ecke überwacht. Kein Wunder, dass wir uns wie Teil eines Politthrillers fühlen.
Willkommen in der Côte d’Azur-Version von House of Cards.“

Dass unser Reiseplaner Reinhold davon nichts mitbekommen hat, sorgt für ein stilles Grinsen. Zugegeben: Die Hotelpreise dieser Woche hätten uns misstrauisch machen können. Aber in Nizza? Da wundert einen wenig. Außerdem gab es einen besonderen Grund für uns, jetzt hierher zu kommen: Unser frisch geborener Enkel.


Ein Zwischenstopp mit Meerblick – Hotel Saint Paul

Ein Hauch Belle Époque – das Hotel Saint Paul im goldenen Licht der Côte d’Azur.

Unser Fenster steht weit offen. Das Meer rauscht, Stimmengewirr von der Restaurantterrasse steigt zu uns herauf – mediterranes Lebensgefühl pur. Wir wohnen im Hotel Le Saint Paul, und während man sich dort vielleicht keine fünf Sterne ans Revers heftet, trägt es doch einen ganz eigenen Glanz.

Das Hotel thront stolz über dem Wasser, nur eine Straße trennt uns vom Mittelmeer. Die Lage ist ideal – ruhig, aber nicht abgeschieden. Selbst das Zentrum von Nizza ist zu Fuß gut erreichbar. Hinter der Fassade des stattlichen Gebäudes entdecken wir einen kleinen Innenhof, versteckt und still, mit plätscherndem Brunnen und mediterranem Charme. Eine Oase für Zwischendurch.

Ein Hauch Geschichte: Hier beginnt unser Nizza-Kapitel.

 

Klar – wir haben schon in Hotels mit größeren Zimmern und breiteren Betten übernachtet. Mit etwas aufmerksamerem Service vielleicht. Aber noch nie mit diesem Blick. Direkt aufs Meer. Ungestört. Unvergesslich.

Und dann ist da dieses Licht. Dieses unvergleichliche Licht der Côte d’Azur, das alles ein bisschen wärmer, ein bisschen weicher, ein bisschen schöner macht.

Schöner kann man nicht tafeln – über dem azurblauen Mittelmeer schwebend – das Restaurant Le Plongeoir.


Einmal tief durchatmen: Côte d’Azur wie aus dem Bilderbuch

Wir lassen das Getümmel der Stadt hinter uns und fahren rund zwölf Kilometer über die kurvenreiche Moyenne Corniche – mit diesem ganz besonderen Blick auf das schimmernde Mittelmeer – bis wir das mittelalterliche Dorf Èze erreichen.

Am Ortsrand geparkt, betreten wir durch ein imposantes Tor aus dem 14. Jahrhundert ein wahres Adlernest aus Stein. Die verwinkelten Gassen, die sich eng aneinander schmiegen, führen unter Gewölben hindurch, über kleine Stufen, durch Innenhöfe – alles scheint wie aus der Zeit gefallen.

In ehemaligen Schaf- und Kuhställen arbeiten heute Künstler und Handwerker. Ihre Ateliers öffnen sich wie kleine Schatztruhen, in denen das lokale Erbe lebendig bleibt. Wir flanieren zwischen honigfarbenen Mauern, geblümten Fenstern und Amphoren – und lassen uns treiben.

Die Zeit hinterlässt Spuren – und manchmal verwandelt sie Mauern in Kunstwerke.

Verblüht, verwittert – und doch voller Poesie.

Willkommen in den verwunschensten Winkeln von Èze.


Teufelsbrücke & Legenden

Die „Teufelsbrücke“ – Technik, Legende und Landschaft in dramatischer Harmonie.

Das Viadukt von Èze – besser bekannt als Pont du Diable – spannt sich nördlich des Dorfes über eine tiefe Schlucht. Der Legende nach ließ ein Hirte den Teufel ein Viadukt bauen – im Tausch gegen die Seele des ersten Wesens, das es überqueren würde. Der Hirte warf einen Stock – und sein Hund beglich die Schuld.

Etwas prosaischer: Die Brücke mit ihren acht Bögen wurde 1914 gebaut. Drei Jahre dauerte es, bis sich die Moyenne Corniche dort über das Tal spannte.


Der Botanische Garten von Èze – ein grünes Wunder

Wir steigen weiter bergauf. Die Gassen werden schmaler, die Häuser verträumter. Ganz oben, auf einem Felsplateau rund 400 Meter über dem Meer, liegt der Jardin Exotique d’Èze.

Ein Ort wie kein anderer: Kakteen, Sukkulenten und andere exotische Pflanzen wachsen hier in den Felsen, mit atemberaubendem Blick auf die Riviera.

Der Garten schmiegt sich spiralförmig ans Gelände – wie eine dreistöckige Torte, mit Aussicht auf Meer, Berge und Dorf.

Auf der obersten Terrasse ist es still. Die Sonne wärmt die Haut, der Blick verliert sich im Blau

Hoch über dem Meer erstreckt sich der exotische Garten von Èze. 


Der Nietzsche-Weg – heute nicht

Ein Pfad zwischen Himmel und Erde – der Chemin de Nietzsche schlängelt sich durch das wilde Grün hinab nach Èze-sur-Mer.

 

Wer jetzt denkt, das war’s schon – Irrtum. Es gibt ihn noch, den berühmten Sentier Nietzsche, der Èze Village mit Èze-sur-Mer verbindet. Der Pfad ist nur 5 km lang – aber steil, steinig und nichts für müde Beine. Wir heben ihn uns auf.

Heute nehmen wir lieber die entspannte Variante: zurück nach Nizza – und hinein ins Geschmackserlebnis.


Pan Bagnat – das Original aus Nizza

Zurück in der Stadt gibt es eine Spezialität, die man nicht verpassen darf: Pan Bagnat – das „getränkte Brot“, ursprünglich das Lunch der Fischer.

Ein rundes Brötchen, gefüllt mit Thunfisch (oder Sardellen), Tomaten, Zwiebeln, Oliven, Ei, Radieschen, Bohnen und bestem Olivenöl. Kurz: der Salade Niçoise im Brötchenmantel – und mit viel südfranzösischer Seele.

Wer mag, gönnt sich dazu ein Glas kühlen Rosé. Wer das einmal erlebt hat, versteht, warum das Leben in Nizza selbst unter Sicherheitsalarm noch schmeckt.

Ein Stück Nizza zwischen zwei Brothälften – das Pan Bagnat. Einfach, ehrlich, unwiderstehlich.


Herz und Pan Bagnat sind nicht das Ende – sondern erst der Anfang. Weiter geht’s mit Farben, Fantasie und Familienmomenten in ➡️ Côte d’Azur mit Kind und Kunst

 

 

 

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