Lizard Island – Tütensuppen, Schwengelpumpe & sonst nichts
Wie man auf Lizard Island landet – auch Jahre später
Eigentlich hat dieser Beitrag auf einer Ü70-Webseite nichts verloren.
Denn das Ganze liegt schon eine ganze Weile zurück – genau genommen mehrere Hupfer. Aber manche Erlebnisse sind einfach zu besonders, um sie einfach in einer Schublade mit der Aufschrift „Damals“ verschwinden zu lassen.
Und warum gerade jetzt?
Während unserer Weltreise Anfang 2025 waren wir wieder mal an der Ostküste Australiens unterwegs – nur eben nicht ganz so weit nördlich.
Da war sie plötzlich wieder da: die Erinnerung an diesen einen Abstecher, der nie geplant war.
Ein Abenteuer, das mit einem dieser typischen Reinhold-Sätze begann:
“Ist doch nur ein Hupfer – von Cairns.“
Diesmal meinte er: Lizard Island.

Da oben, wo die Karte fast aufhört – genau da liegt Lizard Island.
Ein Hupfer von Cairns, ein Sprung ins Abenteuer. Und definitiv kein Ort, den man zufällig besucht.
Von der Dienstreise ins Outback-Paradies
Wir waren gerade in Cairns gelandet, im Anschluss an eine von Reinholds Dienstreisen nach Melbourne. Und während andere nach dem Job auf dem Rückflug sitzen, stehen wir plötzlich im Outdoorgeschäft und kaufen eine Campingausrüstung, die man üblicherweise nicht im Aktenkoffer transportiert.
Der Grund: Das damals einzige Luxushotel auf Lizard Island war außerhalb jeglicher Budgetrealität.
Und die Alternative? Ein Zeltplatz.
Wir holten uns die erforderliche Camping-Genehmigung – und einen freundlichen Hinweis:
“Aber bitte nur 5 Tage, damit es nicht überlaufen ist.“
Proviantplanung auf Reinhold-Art
„Wir müssen alles an Proviant kaufen, was wir für fünf Tage brauchen“, sagte Reinhold.
Ich: „Da wird’s doch sicher einen Kiosk geben?“
Wie naiv kann man sein.
Am Ende stapelten sich in unseren Taschen Tütensuppen aller Geschmacksrichtungen, Anzündpasten für den Kocher und ein gewisser Grundverdacht, dass das eine Geschichte wird, die wir irgendwann mal erzählen würden.
Jetzt.
Landung im Paradies – und Abmarsch über den Hügel

Lizard Island. Da hinten irgendwo: Luxus. Und unser Hügel.
Mit einer kleinen Turboprop ging es über das Great Barrier Reef – traumhaft schön, türkisblau, postkartenreif.
Wir landeten, die Hotelgäste bekamen gekühlte Handtücher. Wir bekamen den Hinweis: „Einmal über den Hügel, immer der Sonne nach.“
Also schleppten wir unser Gepäck selbst – ohne Shuttle, ohne Schatten, ohne Murren (na ja, fast).
Wir waren übrigens die einzigen Camper. Überraschung?
Fliegen im Toast, Lizards im Unterholz
Der Campingplatz? Direkt an der Bucht, traumhaft gelegen, einsam, friedlich.
Was wir nicht bedacht hatten:
- Im Juni (Winter in Australien) wird es früh dunkel und spät hell.
- Unsere Isomatten waren keine Einladung zum Tiefschlaf.
- Unser Brot war ab Tag 2 mit Fliegen durchsetzt.
- Und die Lizards groß genug, um uns den Weg zur Schwengelpumpe zu verwehren.
Duschen unter freiem Himmel – ja, mit Handpumpe.
Und jedes Mal vorher mit einem langen Stock möglichst viel Krach machen.
Man weiß ja nie.
Augen auf beim Toilettengang. Die Mitcamper sind nicht immer freundlich.
Cook’s Lookout – klingt harmloser, als es ist
Gleich am ersten Tag stand „Cook‘s Lookout“ auf dem Programm.
Wir hatten genau eine Nacht auf der Iso-Matte überlebt – fühlten uns also noch vergleichsweise frisch.
Der Rücken schmerzte nur leicht, die Motivation war noch intakt, und in der Colaflasche schwappte tatsächlich noch ein letzter, ungeteilter Rest.
Wir hielten das für ein gutes Omen.
War es nicht.
Der Weg war steiler, steiniger und deutlich schattenfreier, als es auf der kleinen Übersichtstafel am Campingplatz gewirkt hatte.
Oben angekommen: Aussicht satt.
Und Einsicht.
Man sieht viel – vor allem sich selbst: außer Atem, überhitzt, und mit einer Cola in der Hand, die inzwischen nur noch nach Selbstüberschätzung schmeckte.

Ausblick vom Cook’s Lookout: Wer da denkt, der Aufstieg hat sich nicht gelohnt, hatte vermutlich keine Tütensuppe zum Frühstück.
Menschen! Kekse! Und ein Whiskey mit Nachklang
An Tag drei hörten wir plötzlich Stimmen am Strand. Deutsch!
Ein Paar mit Kind, Weltumsegler, hatte mit dem Boot angelegt.
Wir wurden an Bord eingeladen – es gab Häppchen. Und nochmal Häppchen. Und sogar Kekse. Ich hätte sie umarmen können.
Am vierten Tag zog ein junger Australier mit seinem Zelt neben uns ein – ziemlich trinkfest, wie sich herausstellte. Abends saßen wir bei Whiskey zusammen. Was genau da erzählt wurde? What happens on the island stays on the island.
Aber ein wirklich wertvoller Hinweis war dabei:
„Einmal in der Woche öffnet die Bar vom Hotel auch für Camper.“
Diese Info hat uns gerettet – na ja, fast.
Endlich konnten wir in der Außen-Bar des Hotels unseren Durst löschen. Es gab reichlich Wasser. Und Coke. Der Whiskey vom Vorabend war Geschichte, der Kater ebenfalls.
Wir waren erfrischt, wiederhergestellt – und motiviert.
Die Angst, in den letzten Tagen noch verdursten zu müssen, war verschwunden.
Also machten wir uns, bepackt mit Getränken und bester Laune, auf den Rückweg zum Zelt.
Wäre da nicht … die Überraschung am Wegesrand gewesen.
Links und rechts des schmalen Pfades: Dutzende schwarzbraune Schlangen – Eastern Brown Snakes, genüsslich ausgestreckt in der letzten Abendsonne.
Australien verabschiedet sich auf seine Weise.
Ich ließ Reinholds Hemdzipfel auf dem ganzen Weg nicht los. Aber: Wir sind heil angekommen. Reinhold meinte nur trocken: „Immerhin waren sie schon satt.“
Und ehrlich gesagt – ganz ohne Drama wär’s irgendwie auch nicht Lizard Island gewesen.

Hier wussten wir kurz nicht, ob das mit dem Camping wirklich so schlimm war.
5 Tage können lang – und legendär – sein
An Tag 5 war alles aufgebraucht: Proviant, Energie, Geduld.
Unsere komplette Campingausrüstung überließen wir großzügig den Neuankömmlingen – man lernt ja mit der Zeit loszulassen.
Wir flogen mit deutlich leichterem Gepäck zurück nach Cairns – innerlich um einige Erfahrungen schwerer.
Spuren haben wir keine hinterlassen.
Außer der Erkenntnis, dass man Abenteuer nicht planen muss – man muss sie aushalten.
Und auch wenn es holprig, improvisiert und völlig unvernünftig war:
Es war genau richtig.
Praktisches für alle, die es trotzdem wagen wollen:
- 🏕 Camping nur in Watsons Bay erlaubt (Genehmigung ist obligatorisch)
- 🚿 Wasser gibt’s per Handpumpe (250 m entfernt) oder an der Hotelbar (falls geöffnet)
- 🦎 Lizards = groß, neugierig, aber harmlos
- 🔥 Kochen nur mit eigenem Brenner – offenes Feuer verboten
- 🧼 Keine Duschen, keine Mülltonnen – alles muss mitgebracht & wieder mitgenommen werden
- 📵 Kein Empfang – im besten Sinne
Fazit:
Lizard Island – für uns keine Luxusreise, sondern ein Erlebnis.
Ungeplant, unbequem, unvergesslich.
Wer braucht schon Louis Vuitton, wenn man Kekse mit Weltumseglern teilen kann?

Letzter Abend. Alles aufgebraucht – bis auf die Erinnerungen.

Über die Autorin: Edith ist 70+, neugierig auf das Leben und liebt es, zwischen Roadtrips und Familienbesuchen über das große Ganze nachzudenken. Auf ihrem Blog wanderlust-knows-no-age.com erzählt sie mit Stil, Seele und einem Hauch Selbstironie von Momenten, die zählen.
Eine Antwort auf „Lizard Island. Tütensuppen, Schwengelpumpe und sonst nichts“
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