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NordArt Büdelsdorf – Kunst im Park, Skurriles im Blick

NordArt – eine Weltreise zwischen Stahl und Seele

Jeden Herbst klopfen rund 3.000 Künstler aus aller Welt an die Tore der NordArt. Nur 200 von ihnen dürfen hinein – und erschaffen zusammen ein Kaleidoskop unserer Zeit.

Skulpturen in einer ehemaligen Industriehalle bei der NordArt in Büdelsdorf

Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um eine Weltreise zu machen.

Ein Schritt durch das Hallentor – und plötzlich ist man mittendrin: Skulpturen aus Asien, Gemälde aus Europa, Installationen aus Amerika. Rostige Stahlträger erzählen von der industriellen Vergangenheit, leuchtende Farben von der Gegenwart. Der Reisepass? Hier genügt ein Ticket.

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“
– Pablo Picasso

Wir lieben Kunst. Ob Los Angeles, New York, Wien oder Nizza – kein Städtetrip ohne Museumsbesuch. Aber zwischen all den großen Namen gibt es einen Ort, der fast unbemerkt in Schleswig-Holstein liegt, so schnörkellos wie der Norden selbst: Büdelsdorf.

Und ja, wer einmal hier war, kommt wieder. Auch wir.
Denn jedes Jahr wird die alte Eisengießerei Carlshütte zur Bühne für eine der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa – die NordArt.

Industriecharme trifft Weltkunst

„Empty God“ – wo Marmor bricht, leuchtet das Innere.

Die Carlshütte ist kein steriler White Cube, sondern ein atmosphärisches Industriedenkmal. Da, wo früher Eisen floss, strömen heute Ideen, Farben, Formen.

Licht fällt staubig und golden durch hohe Fenster, trifft auf rostige Stahlträger, auf monumentale Gemälde, fragile Skulpturen und leuchtende Installationen. Zarte Linien vor rauem Backstein, kräftige Farben im Kontrast zu vernarbtem Eisen – genau dieser Spannungsbogen macht die NordArt unverwechselbar.

„Kunst sucht Antworten auf alles, was den Menschen bewegt und berührt, und der Mensch kann Antworten in der Kunst finden. Sie spiegelt unsere Ängste wider, aber sie versinnbildlicht auch unser aller Hoffnung auf ein besseres, ein gutes Morgen.“

– Wolfgang Gramm, Chefkurator der NordArt

Rund 200 Künstlerinnen und Künstler aus Japan, Polen, China, Israel, Armenien, Deutschland, den Niederlanden, der Türkei, Tschechien, der Slowakei, der Mongolei, Südkorea, Usbekistan und Frankreich sind hier vertreten. Sie alle zeigen: Ost und West, Süd und Nord teilen ähnliche Sehnsüchte und Träume.

„Mr. Pinocchio“ – wo Rost und Kunst gemeinsame Sache machen.

 

Weiße Skulptur Eva in meditativer Pose, NordArt 2025

Eva im weißen Licht – nicht nur eine (Yoga-)Position, sondern ein stiller Höhepunkt im Ausstellungsraum.

Parkplatz-Glück und Hintereingang

„Heute, an einem Dienstag, sollte doch eigentlich nicht so viel los sein“, mutmaßen wir. Doch schon um 11:30 Uhr ist der Parkplatz voll, an der Kasse staut es sich, und die ersten Autos drehen frustriert wieder ab.

Menschenmassen hätten wir jetzt nicht gebraucht – aber wir sind ausgehungert nach Kunst. Online-Tickets? Unsere Vorfreude war schneller als der Klick.

Zum Glück kennen wir den Trick vom letzten Mal: beim Einkaufszentrum parken, kurzer Spaziergang, kleines Kassenhaus am Hintereingang. Kein Gedränge, keine Wartezeit. Läuft.

Wer Schlange stehen kann, kann auch Kunst – wir nehmen lieber die Abkürzung durchs Hintertürchen.

Lustprinzip auf dem Außengelände

Draußen verliert die Kunst ihre Wände. Zwischen alten Bäumen und Wiesen tauchen Skulpturen auf wie zufällige Begegnungen – mal still, mal laut, mal schräg.

Wir lassen uns treiben. Folgen dem eigenen Rhythmus. Tauchen dort ein, wo es uns ruft. Unser kuratorisches Konzept des Tages? Wir. Und eine ordentliche Prise „Oh, schau mal da!“.

Skulptur 'Walking Man' von Su Xinping, China, ausgestellt bei der NordArt

„Walking Man“ – unterwegs durch Raum und Zeit.

Metallskulptur 'Space Dog' von Jan Dostál, Tschechien, im Außenbereich der NordArt

„Space Dog“ – gelandet, um über Kunst zu wachen.

Ziegenkäse, Käsekuchen und Coke Zero

Nach Stunden voller Eindrücke finden wir im Garten der „Alten Meierei“ ein schattiges Plätzchen. Für mich gibt’s Ziegenkäse, für Reinhold Käsekuchen und – natürlich – Coke Zero. Wir lehnen uns zurück, lassen das Gesehene nachhallen und spüren, wie der Puls wieder sinkt.

Grün, Genuss & gute Laune – einmal durch den Hecken-Kaffeegarten, und schon wartet der Ziegenkäse.

Kunst, Natur und ein bisschen Frieden

Skulpturen und Brücke am Teich im Skulpturenpark der NordArt

Der Rückweg führt über eine kleine weiße Brücke, unter der Seerosen blühen. Vorbei an alten Blutbuchen und Apfelbäumen, unter denen Picknickdecken liegen. Alles wird stiller, langsamer.

„Die Kunst hat es eigen, dass sie den Menschen stille, ruhig und friedlich macht.“
– G. G. Gervinus

Wir atmen durch. Nehmen ein Stück dieses Friedens mit – wie feinen Staub, der sich gern auf der Seele niederlässt. Und falls der Alltag im Laufe des Jahres neuen Staub produziert? Dann wissen wir, wo er sich wegpusten lässt: in Büdelsdorf, bei der nächsten NordArt.

Bronzene Affenskulpturen in der Parkanlage der NordArt„Original Sin“ – zehn stoische Gorillas, die auch im Abseits noch aussehen, als würden sie den ganzen Planeten bewachen.

 

Reisebloggerin 70+, digital & stilvoll – Edith mit iPad und Champagner in der Lounge

Über die Autorin: Edith ist 70+, neugierig auf das Leben und liebt es, zwischen Roadtrips und Familienbesuchen über das große Ganze nachzudenken. Auf ihrem Blog wanderlust-knows-no-age.com erzählt sie mit Stil, Seele und einem Hauch Selbstironie von Momenten, die zählen.

 

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