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Tahquitz Canyon – Zwischen Wasser, Stein und Legende

Tahquitz Canyon – Zwischen Wasser, Stein und Legende

Prolog – Ankommen

Wir waren vor einigen Jahren schon einmal hier.
Auch damals sind wir diesen anspruchsvollen Rundweg gegangen.
Wie anstrengend er wirklich ist, hatten wir vergessen.

„Wir sind da, treffen uns im Visitor Center“, schreibt Tanja per WhatsApp. Mit dabei: Sam, ihr Mann – unser Schwiegersohn – und Robin, einer unserer erwachsenen Enkelsöhne.

Es ist kurz vor neun Uhr morgens. Wir sind pünktlich.

Bewaffnet mit Broschüre und ausreichend Wasser machen wir uns auf den Weg.

Gemeinsam – aber jeder in seinem Tempo

Sam hat offensichtlich seine schnellsten Wanderschuhe geschnürt. Er legt ein Tempo vor, dem wir nicht folgen können – und auch nicht wollen.
Gut. Dann eben nicht gemeinsam.

Wir gehen unser Tempo. Alles andere macht keinen Sinn.

Wir wollen genießen: die Natur, die Luft, das Licht.
Zwischendrin immer wieder ein Foto – als stiller Beweis für diesen Moment.

So verlieren wir auf dieser Wanderung zwar die Familie aus den Augen, nicht aber den Blick für das Wesentliche.

Bizarr geformte Felsen begleiten uns, immer entlang des plätschernden Tahquitz River.

„Dieses Jahr haben wir viel Wasser“, hatte die Dame im Visitor Center gesagt.
„Alles ist grün und frisch.“
Sie hatte recht.

Der Weg nach oben

Es geht bergauf.
Teilweise klettern wir über Felsen, überqueren den Fluss auf Granitblöcken, die als Brücke dienen.

Es ist anstrengend. Schweißtreibend.

Und dennoch: Diese Schönheit. Diese Ruhe.
Dieses Wasser mitten in der Wüste.

Man kann gleichzeitig außer Atem und tief beglückt sein.

Das Echo von Tahquitz

Man sagt, dass hier ein Geist lebt.

Tahquitz – ein Schamane, dem der Schöpfer Mukat große Macht verliehen haben soll, um seinem Volk zu helfen.

Doch er missbrauchte sie.
Er täuschte die Menschen, ließ sie glauben, Pfeile könnten ihnen nichts anhaben. Viele bezahlten diese Täuschung mit dem Leben.

Die Cahuilla verbannten ihn in diese Schlucht.
Dort, so heißt es, lebt sein Geist bis heute –. manchmal als grüner Feuerball, manchmal als Beben der Erde.

Der Canyon ist ein heiliger Ort für den Agua-Caliente-Stamm der Cahuilla-Indianer.
Alte Felszeichnungen und frühe Bewässerungssysteme erzählen von einer Zeit, in der Mensch und Landschaft noch im Dialog standen.

Vielleicht ist es nur eine Geschichte.
Vielleicht aber auch nicht.

Jedenfalls liegt sie über unserer Wanderung wie eine zweite, kaum sichtbare Ebene.

Die Belohnung

Dann der Tahquitz-Wasserfall.

18 Meter fällt das Wasser – außer in den trockenen Sommermonaten – über glatt geschliffene Granitfelsen in einen natürlichen Pool.

Angenehme Kühle steigt auf. Die Luft verändert sich.

Die Stille dieser Oase ist beinahe andächtig und lädt ein, einfach nur zu hören: Wasser. Wind. Zeit.

 

Hier treffen wir auf Robin, der auf uns gewartet hat.
Den letzten Abschnitt gehen wir gemeinsam.

Dann taucht auch Tanja wieder auf.

Sam ist verschwunden. Und bleibt es eine ganze Weile.

Sollte etwa der Schamane …?

Nein.
Irgendwann erscheint er doch – unaufgeregt hatte er ein paar zusätzliche Kurven gedreht.

Epilog – Nachklang

Zum Abschluss – und zum Abschied – gibt es eine Erfrischung bei Tanja im Ferienhaus einer Freundin in Palm Springs.

Ein letztes Zusammensein.

Morgen geht es für diesen Teil unserer Familie zurück in den Winter.
Zurück nach Maine.

Und wir bleiben noch einen Moment hier – zwischen Sonne, Stein, Wasser und dem leisen Nachhall einer Legende.


Wer die Reise am Stück lesen möchte, findet sie hier:
Kalifornischer Winter – Eine Reise zwischen Wüste und Pazifik



Reisebloggerin 70+, digital & stilvoll – Edith mit iPad und Champagner in der Lounge

Über Edith: Sie ist 70+ und neugieriger denn je. Auf ihrem Blog
wanderlust-knows-no-age.com
schreibt sie über Reisen, Erinnerungen und das Leben dazwischen – poetisch, ehrlich und immer mit einem Augenzwinkern.
An ihrer Seite: Reinhold, unermüdlicher Navigator, ungeduldiger Ruhepol und heimlicher Hüter der Picknicktasche.
 

 

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