Kategorien
Blog

2025 – Mein Jahresrückblick

Ein Jahr zwischen Weite & Alltag

Prolog – Wenn ein Jahr größer ist als man selbst

Manchmal beginnt ein Jahr wie ein ungeöffneter Koffer: voller Möglichkeiten, voller Überraschungen – und mit einem kleinen Zittern, ob man alles dabeihat, was man unterwegs wirklich braucht.
2025 war genau so ein Jahr: weit, fordernd, reich.

Und für mich war es noch etwas anderes: mein erstes Jahr als Bloggerin.

Wer hätte gedacht, dass man sich mit Ü70 noch einmal neu erfindet – eine Webseite baut, die man vorher nicht einmal zu träumen gewagt hätte, und Woche für Woche schreibt, als würde man mit jedem Text eine frische Seite im eigenen Leben aufschlagen.
Es ist erstaunlich, wie viel Mut in einem steckt, wenn man ihn nicht ständig daran erinnert, wie alt man angeblich ist.

Wir haben gelernt, dass Reisen mit Ü70 nichts von seiner Magie verliert.
Nur das Tempo verändert sich: langsamer, tiefer, bewusster.

Und irgendwo dazwischen begleitet uns unser altes kleines Leitmotiv:
Ein ruhiges Meer hat noch nie einen erfahrenen Seemann hervorgebracht.
Vielleicht ist es das, was uns weiterziehen lässt – neugierig, mit beiden Beinen im Leben und mit genügend Humor, um auch über die eigenen Falten hinwegzusehen.

Singapur, Kambodscha, Australien & USA – ein Weltbogen im ersten Quartal

Januar bis März trugen uns einmal um den Globus – ein weiter Atemzug von Kontinent zu Kontinent.

Singapur – so makellos, dass man sich selbst ein wenig schief vorkommt.
Kambodscha – Tempel, die flüstern, selbst im Gedränge der Welt.
Australien – zuerst wild und rot im Westen, später weich und leuchtend im Osten.

Und dann Kalifornien. Lenas Lachen, das wir so gut kennen. Ein Wiedersehen, das nichts beweisen muss – nur da ist.

Wir kamen heim wie Muscheln voller Geräusche: Wellen, Motoren, Stimmen – und ein Jetlag, der sich hartnäckig an uns klammerte.

April – Berliner Glanz

Ein Kurzbesuch in Berlin – alle Jahre wieder, wie eine kleine Tradition, die sich weigert, aus dem Kalender zu verschwinden.
Wir schauten bei Mike in unserer Lieblingsboutique im Nikolaiviertel vorbei und ich wurde – wie immer – fündig.
(Man könnte meinen, Mike und ich hätten eine stille Vereinbarung: Ich erscheine, er findet etwas für mich.)

Zu Fuß liefen wir zurück zum Adlon, diesem Grand Hotel, das Geschichten sammelt wie andere Briefmarken.
Eine Nacht dort – ein Hauch Noblesse, ein Hauch Nostalgie, und Berlin, das selbst in 24 Stunden schafft, einen wach und neugierig zu machen.

Juni – Nizza, Sommerlicht & Familienzeit

Der Juni brachte Nizza – dieses südfranzösische Licht, das alles weicher macht, selbst die Gedanken.
Familienzeit, wie wir sie lieben: ungeplant, lebendig, ein wenig chaotisch und genau deshalb so kostbar.

Arya, der kleine Wirbelwind, der nach dem ersten „Bonjour“ sofort das Wesentliche wissen will:
„Opa, wo sind die Geschenke?“
Ein Satz, der mehr Wahrheit über Kindheit enthält als jedes Pädagogikbuch.

Und dann Isaiah.
Die erste Begegnung – ein Augenblick, der nichts wollte außer da zu sein. Still, warm, leicht wie ein Sommerhauch.
Man hält so ein kleines Leben im Arm und spürt, wie sich die Zeit kurz verbeugt.
Familie ist in solchen Momenten kein großes Wort, sondern ein Gefühl, das bleibt.

 

Zwischen Nordsee, Ostsee & den Wundern dazwischen

Zwischendrin hatte der Alltag seinen großen Auftritt: Nachbarskinder mit beeindruckender Lungenkapazität, Hunde, die sich stimmlich für Wagners Ring bewarben, und wir dazwischen – staunend, lachend, kopfschüttelnd.

Aber es gab auch jene leisen, guten Momente, die man erst auf den zweiten Blick erkennt: Ostsee-Spaziergänge, windschiefe Tage in Timmendorfer Strand und Travemünde.

Die NordArt in Büdelsdorf gehört zu diesen festen Punkten im Jahr, auf die wir uns jedes Mal freuen. Ein Tag, an dem Kunst nicht belehrt, sondern die Seele streichelt – und uns sanft daran erinnert, wie viel Schönheit es in dieser Welt gibt. Und wie wertvoll es ist, sie immer wieder neu wahrzunehmen.

Und dann Sylt.
Schon die Anfahrt auf dem Autoreisezug durchs Watt ist wie eine Verbeugung der Natur: der Horizont weit, der Wind ein alter Bekannter, das Meer ein stiller Dirigent.
Für uns ist Sylt ein Inselgruß an die Seele – ein Kurzurlaub mit Langzeiteffekt.
Man steigt aus, atmet tiefer, hört mehr in sich hinein.
Und für ein paar Stunden tut die Welt so, als wäre sie weniger kompliziert.

Ein weiterer Sommertag kam wie ein kleines Geschenk daher: unser Überraschungsbesuch auf Usedom.
Inge ahnte nichts – bis wir plötzlich vor ihr standen, mit Ostseewind im Haar und diesem „Na, schau mal, wer da ist“-Lächeln.
Wir verbrachten Stunden miteinander, als hätten wir die Zeit persönlich mitgebracht: Spaziergänge, Gespräche, Lachen – ein Freundschaftslicht im Urlaubssand.

 

Und dann war da noch ein Tag, der blieb: Hohwacht.

Meine Schwester Lindi, mein Schwager Andreas, meine Nichten – unterwegs im gemieteten Wohnmobil, ein heldenhaftes Unterfangen im Dienste der Enkel.

Wir trafen uns in einem kleinen Kaffeegarten an der Ostsee: milde Luft, ein gut gelaunter Wind.

Und wie es bei uns nun einmal ist: Viel wurde nicht gesagt. Lindi spricht wenig, Andreas ebenso – eine beinahe kontemplative Familienzusammenkunft mit Meeresrauschen, irgendwo zwischen Zen-Seminar und norddeutscher Höflichkeit.

Manchmal braucht Nähe keine großen Worte

August – Hamburger Brisen

Dann Hamburg – ein Kurzbesuch, wie wir ihn immer mal wieder einlegen, unsere kleine hanseatische Auszeit.
Wir übernachteten im Westin im Elphi-Gebäude, mit Blick hinaus auf Hafen, Wasser, Kräne und diesen großen, salzigen Atem der Stadt.

Dieses Mal bummelten wir über die Brücken der Speicherstadt, standen auf Holzplanken, die Geschichten atmen, und ließen uns treiben zwischen roten Backsteinen und Wasserwegen.
Ein Stadtspaziergang wie ein norddeutscher Händedruck: knapp, klar, ehrlich.

Und zwischendrin: Reinhold, der Planer der Herzen

Reinhold plant immer. Im Sitzen, im Stehen, im Gehen – vermutlich selbst im Halbschlaf.
Er liest, sortiert, recherchiert, verwirft, beginnt neu.

Manchmal ist er wie ein leiser Motor, der alles am Laufen hält, selbst wenn der Wind von vorne kommt.
Es ist ein großes Glück, jemanden an der Seite zu haben, der nicht nur träumt, sondern auch handelt.

So ging dieses Jahr zu Ende: nicht mit Feuerwerk, sondern mit diesem stillen Gefühl von
„Wir haben’s gut geschafft.“

Reinhold an meiner Seite, sein planerischer Dauermotor, meine wandernde Neugier – zusammen ein eingespieltes Duo, das auch dann funktioniert, wenn der Wind quer kommt.

Und als die Tage kürzer wurden, stellte sich dieses leise Schmunzeln ein, das sagt:
„Na bitte. Ein Jahr rum – und wir stehen immer noch. Und gar nicht schlecht.“

Epilog – Ein Jahr, das nach viel schmeckte

2025 konnte vieles: überraschen, fordern, erfreuen – und gelegentlich den Geduldsfaden testen.
Doch am Ende blieb ein Jahr zurück, das uns mehr gegeben hat, als es nahm. Kein gefälliges Jahr. Kein bequemes. Eines, das uns aufrecht hielt, auch wenn es anstrengend wurde.

Und das ist, rückblickend, ein tröstlich schöner Gedanke.

Und dann war da Indien. Keine Reise wie die anderen.
Ein Land, das nicht fragt, ob man bereit ist.
Staub in der Luft, Hitze auf der Haut, ein Blick, der länger bleibt als erwartet.
Indien hat sich nicht verabschiedet – es hat sich eingeprägt.

Danach wurde es stiller. Nicht leer – nur gesammelt.
Reisen ziehen weiter, und wir mit ihnen. Schritt für Schritt. Ohne Eile.

Jetzt ruft Kalifornien.
Die Familie wartet, die Sonne auch, und 2026 steht bereits höflich vor der Tür.
Wir öffnen – ohne Drama, ohne Trommelwirbel, aber mit einem ruhigen Lächeln und beiden Füßen fest im Leben.



Reisebloggerin 70+, digital & stilvoll – Edith mit iPad und Champagner in der Lounge

Über Edith: Sie ist 70+ und neugieriger denn je. Auf ihrem Blog
wanderlust-knows-no-age.com
schreibt sie über Reisen, Erinnerungen und das Leben dazwischen – poetisch, ehrlich und immer mit einem Augenzwinkern.
An ihrer Seite: Reinhold, unermüdlicher Navigator, ungeduldiger Ruhepol und heimlicher Hüter der Picknicktasche.
 

Deine Stimme zählt – und ja, ganz ohne Passwort! Einfach unten schreiben.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Entdecke mehr von Wanderlust-knows-no-age

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen