Kategorien
Blog

Los Angeles – Wo sich der Kreis schließt

 

Los Angeles – Wo sich der Kreis schließt

Prolog – Zurück

Manche Reisen enden nicht an Flughäfen.

Sie enden dort, wo sie begonnen haben.
In unserem Fall: in Los Angeles.

Die Straßen wirken fast so, als wären wir nie weg gewesen.
Alles ist vertraut.

Und doch liegt über diesen Tagen etwas, das wir beide kennen.

Dieses leise Wissen, dass der Abschied schon mit am Tisch sitzt.

Ankommen

Als wären wir nie weg gewesen, wartet Andrews kleines Häuschen hinten im Garten auf uns.

Andrew begrüßt uns freundlich, während er trockene Äste aus seinem Orangenbaum schneidet.

Am Abend schaut Lena vorbei.

Die Gewissheit, dass der Abschied nur noch ein paar Tage entfernt ist, hängt über allem wie eine Trauerweide.

 

Der Baum

Später gehen Lena und ich noch einmal um den Block.

Die Luft ist warm, fast schon sommerlich.
In den Bäumen am Straßenrand schwirren Kolibris und zwitschern leise.

Wir reden über alles Mögliche – über Arbeit, über Reisen, über Dinge, die im Alltag wichtig wirken und in solchen Momenten plötzlich ganz klein werden.

Zwischendurch schweigen wir.

Dann bleiben wir stehen.

Vor uns steht ein Baum, den wir beide noch nie bewusst wahrgenommen haben.
Sein Stamm ist übersät mit dicken Dornen, als hätte er eine kleine Rüstung angelegt.
Zwischen den Zweigen hängen schwere grüne Früchte, fast wie kleine Kürbisse.

Der stand hier bestimmt schon immer“, sagt Lena.

Wahrscheinlich hat sie recht.

Manchmal sieht man Dinge erst, wenn man weiß, dass man bald wieder gehen muss.

Wir schauen noch einen Moment nach oben in die Zweige, dann gehen wir weiter – langsamer als zuvor.

Ein Baum, den wir all die Jahre übersehen haben.

 

Samstag – Kaffee, Kuchen und ein bisschen Heimat

Noch einmal Mani/Pedi in Santa Monica.
Ein kleines Ritual zum Ende der Reise.

Am Nachmittag kommt Lenas Freundin Laura vorbei, die wir an diesem Tag zum ersten Mal treffen.

Es gibt Kaffee und Kuchen.

Laura lacht und sagt:
„Daran erkennt man immer, wenn sich Deutsche treffen – es gibt Kaffee und Kuchen.“

Sie hat nicht ganz unrecht.

 

Sonntag – Ein kleiner Umweg nach Indien

Ohne geht es nicht.

Ein letzter Besuch am Pazifik.

Auf dem Weg dorthin legen wir einen Zwischenstopp ein – am größten Hindu-Tempel Kaliforniens.

Der Malibu Hindu Temple liegt in den Santa Monica Mountains bei Calabasas, unweit von Malibu.
Er wurde 1981 erbaut und dem Gott Venkateswara geweiht. Der Tempel im südindischen Stil ist ein wichtiges religiöses und kulturelles Zentrum für Hindus in Südkalifornien.

Die Anlage besteht aus zwei Tempelkomplexen: einem oberen, der Venkateswara gewidmet ist, und einem unteren mit dem Gott Shiva als Hauptgottheit. Täglich finden hier Rituale und Zeremonien statt.

Unglaublich, dass wir dieses großartige Gebäude all die Jahre kaum beachtet haben.

Die weißen Türme ragen in den kalifornischen Himmel, Palmen stehen davor, als gehörten sie schon immer hierher.

Barfuß gehen wir durch den Innenhof der Anlage, vorbei an geschnitzten Figuren und kleinen Schreinen.

Für einen Moment fühlt es sich an, als wären wir wieder in Indien.

Nur dass darüber die kalifornische Sonne scheint.

 

Point Dume

Sonntag am Strand bedeutet viele Menschen.
Und offenbar hat auch die Spring-Break-Saison begonnen.

Wir setzen uns auf einen Felsen im Schatten, schauen aufs Meer und beobachten das Treiben um uns herum.

Vor uns rennen ein paar Studenten lachend in die Wellen.
Spring Break.

Für einen Moment wirkt alles so leicht, als gäbe es keine Abschiede.

Surfer.
Familien.
Kinder mit Sand zwischen den Zehen.

Als wir wieder aufstehen wollen, merke ich plötzlich, dass ich mich mit meiner neuen Jeans in einen Teerklumpen gesetzt habe.

Ein Andenken aus Kalifornien, denke ich trocken.
Das kann ja nur Glück bringen.

Spring Break – und für einen Moment wirkt alles ganz leicht.

 

Die letzten gemeinsamen Stunden

Am Nachmittag kommen Lena und James vorbei.

James hat ein Geschenk für Reinhold: einen Porsche 911 Turbo im Miniformat.
Die beiden hatten sich in den vergangenen Wochen so oft über Autos unterhalten.

James entschuldigt sich lachend, dass er leider keine Corvette – Reinholds absolutes Lieblingsauto –
gefunden habe.
Deshalb müsse nun „nur“ ein Porsche reichen.

Eine nette Geste zum Abschied.

Wir bestellen Essen beim Chinesen und sitzen im Garten.

Wir erzählen von Sedona, zeigen Fotos.

Es wird geredet, gelacht, zwischendurch auch einfach nur geschwiegen.

Der Abschied sitzt bereits mit am Tisch.

„Dieses Mal ist es besonders schlimm“, sagt Lena irgendwann.

Aber das sagen wir jedes Mal.

Und jedes Mal stimmt es ein bisschen.

Ein Garten hinter dem Haus – und ein paar letzte Stunden.

 

Epilog – Fast unbemerkt

Am Ende bleiben keine großen Szenen.

Nur ein paar Tage in Los Angeles.
Ein Garten hinter dem Haus.
Gespräche, die leiser werden.

Der Pazifik rauscht weiter, als wäre nichts geschehen.

Und irgendwo in einer Straße steht dieser Baum, den wir all die Jahre übersehen haben.

Vielleicht ist das Reisen genau das:
dass man Dinge plötzlich sieht, kurz bevor man wieder geht.

Irgendwo zwischen Pazifik, Wüste und vertrauten Straßen bleibt ein bisschen von diesem kalifornischen Licht bei uns.


Wer die Reise am Stück lesen möchte, findet sie hier:
Kalifornischer Winter – Eine Reise zwischen Wüste und Pazifik



Reisebloggerin 70+, digital & stilvoll – Edith mit iPad und Champagner in der Lounge

Über Edith: Sie ist 70+ und neugieriger denn je. Auf ihrem Blog
wanderlust-knows-no-age.com
schreibt sie über Reisen, Erinnerungen und das Leben dazwischen – poetisch, ehrlich und immer mit einem Augenzwinkern.
An ihrer Seite: Reinhold, unermüdlicher Navigator, ungeduldiger Ruhepol und heimlicher Hüter der Picknicktasche.
  

 

2 Antworten auf „Los Angeles – Wo sich der Kreis schließt“

Deine Stimme zählt – und ja, ganz ohne Passwort! Einfach unten schreiben.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Entdecke mehr von Wanderlust-knows-no-age

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen